Onlinebrief überholt De-Mail
In den letzten Wochen und speziell auf der Messe „Moderner Staat“ am 24. und 25.11. in Berlin wurden die Themen DE-Mail und Post-Onlinebrief ausführlich und kontrovers diskutiert. Beide Seiten bemühten sich redlich aber vergebens darum, sich nicht als Konkurrenz zum anderen und den anderen nicht als Konkurrenz ihrer selbst zu sehen. Dabei ist der Ausgangspunkt hinter den Konzepten natürlich identisch: sichere, vertrauliche und verbindliche Email-Kommunikation, sicher und vertraulich im Sinne der lückenlosen Verschlüsselung der Übertragung und verbindlich durch die feststehenden Identitäten von Absender und Empfänger, was zusätzlich dazu auch Spam und Phishing verhindert. Mit einer solchen Email-Infrastruktur soll und kann das händisch unterschriebene Dokument in sehr vielen Anwendungsfällen durch eine E-Mail ersetzt werden. In punkto Authentisierung bieten beiden Konzepte zwei Sicherheitsniveaus, die „normalen“ Authentisierung mit Nutzername und Passwort und die „hohe“ Authentisierung nach dem Prinzip „Besitz und Wissen“, das zusätzlich zu Nutzername und Passwort z.B. durch eine mTAN oder auch ab Herbst 2010 mit dem elektronischen Personalausweis abgesichert wird.
Doch während BMI und BSI mit einer Vielzahl von Partnern aufwendig spezifizierten, wie De-Mail funktionieren soll, wie die Akkreditierung von Dienstanbietern erfolgt, wie die Kommunikation zwischen De-Mail-Nutzer und Dienstanbieter und auch zwischen den Dienstanbietern technisch abgesichert wird, hat die Post erkannt, dass ein Dienst wie De-Mail eine massive Bedrohung für das Kerngeschäft der Post, den Briefversand, darstellt. Die notwendige Schlussfolgerung daraus war die Erstellung eines eigenen Dienstes für sichere, vertrauliche und verbindliche Email-Kommunikation. Und da die Post mit Post-Ident sogar ein eigenes Verfahren zur persönlichen Identifikation von Personen hat, stand dem Dienst Onlinebrief (Arbeitstitel für das Projekt) nichts im Weg.
Die Spezifikation des Onlinebriefs fiel der Post natürlich um einiges leichter als dem De-Mail-Konsortium, da sie hier freie Hand hatte und sich nur mit potentiellen Anwendern und Kunden über deren Anforderungen unterhalten musste.
Und genau an diesem Punkt überholt der Onlinebrief die De-Mail, denn es wird von vorne herein auf zusätzlichen Mehrwert bei der Anwendung gesetzt, und den kann die Post durch die Verknüpfung des Onlinebriefs mit der physischen Briefpost in den folgenden Features reichlich bieten:
- Der Onlinebrief kann auch an Personen gesendet werden, die keine Onlinebrief-eMail haben. In diesem Fall druckt die Post die E-Mail aus und sendet sie als klassischen Brief an den Empfänger.
- Den Unternehmen und Behörden bietet die Post eine „elektronische Poststelle“, die z.B. im einfachsten Fall den Printdatenstrom abgreift, die Anschrift aus einem Schreiben erkennt, die Onlinebrief-eMail dieser Peron ermittelt, und das Dokument dann per Onlinebrief zustellt. Wird für eine Person keine Onlinebrief-eMail gefunden, wird das Schreiben von der Post ausgedruckt und als klassischer Brief zugestellt.
- Ein zentrales Onlinebrief-Adressbuch ermöglicht die Suche nach Behörden, Unternehmen und bietet die Verlinkung auf deren Onlineservices, die den Onlinebrief benutzen, z.B. die Anmeldung eines Kfz.
- Für die Anbindung solcher Dienste an den Onlinebrief stehen konkrete Schnittstellen zur Verfügung.
- Um die Integrierbarkeit zu erhöhen und zu vereinfachen, startet die Post die Onlinebrief zunächst nur über ein Onlinebrief-Webportal, d.h. die Nutzung von anderen Email-Clients ist nicht möglich.
Solche zusätzlichen Mehrwerte stehen bei der Konzeption der De-Mail nicht im Vordergrund. Die Ideen für Mehrwerte der De-Mail will man hier den Unternehmen und Institutionen überlassen, die De-Mail nutzen möchten.
Damit hat sich die Post mit dem Onlinebrief klare Vorteile gegenüber der De-Mail erarbeitet und wird diese Vorteile auch zu nutzen wissen. Der Anreiz für die Post ist groß, denn (das Beste kommt zum Schluss) der Service Onlinebrief wird nicht kostenlos sein, sondern es wird vermutlich, es gibt hier noch keine offizielle Festlegung, eine Transaktionsgebühr, d.h. einen Zahlbetrag pro Onlinebrief geben, der nach Aussagen der Post „deutlich unter dem Briefporto“ liegen wird, aber egal wo dieser Preis sich am Ende festmacht, der Emailversand per Onlinebrief wird ein Riesengeschäft für die Post werden.
Interessant wird es im Frühjahr 2010, denn dann wird eine umfangreiche Marketingkampagne für den Onlinebrief gestartet, und danach wird sich zeigen, wie sich der Onlinebrief der Post und die De-Mail im Markt behaupten.
DE-Mail: Was es alles kann – und auch nicht …
Es gibt schon länger Alternativen, so wie etwa Opolis Secure Mail (http://www.opolis.eu), die mehr können, global anwendbar sind und auch noch gratis sind …
Ausserdem: Bei Opolis entscheidet der Absender, was der Empfänger mit der Nachricht machen darf (weiterleiten, kopieren, ausdrucken)
Interessanter Artikel:
http://www.prlog.org/10834702